de Boer, Manon.
*1966 in den Niederlanden, lebt in Brüssel BL
Ausstellungen [Auswahl]:
2008 Geschlossene Gesellschaft, KW Kunstwerke, Berlin D
Manon de Boer, Witte de With, Rotterdam NL [S]
5. Berlin Biennale, Berlin D
2007 52. Venedig Biennale, Venedig I
International and National Projects, PS1, New York USA
Open Archive, Argos, Brüssel BL
MANON DE BOER IST DIE PREISTRÄGERIN DER VIDEONALE-PREISES 2009
Attica
2008 >> 10:00 Min, Ton, S/W
Manon de Boers Videoarbeit Attica ist in der visuellen Umsetzung zweier politisch aufgeladener Kompositionen des Amerikaners Frederic Rzewski eine vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Thema Zeit und Zeiterfahrung. Der in grobkörnigem Schwarzweiß gehaltene Film beginnt unvermittelt mit den letzten Takten des Stückes "Coming Together", der Vertonung eines Briefes des in Attica einsitzenden Sam Melville, der zu den Anstiftern der Gefängnisrevolte von 1971 gehörte. Sie endete mit über 40 Toten, darunter Melville selbst. Die Kamera fährt zunächst langsam über die einzelnen Musiker hin und her, bleibt während des einleitenden Monologs zu Attica auf dem Sprecher ruhen und dreht sich schließlich über die verbleibende Dauer der Darbietung einmal um 360°. Dieser langsame Kameraschwenk durch ein unbestimmtes, graues Zwielicht unterstreicht die zirkuläre Struktur der Musik und erzeugt im Betrachter einen Eindruck von statischer Zeitlosigkeit und Desorientierung, wie ihn vielleicht auch die Insassen von Attica erfahren haben mögen. Der sanfte, nahezu pastorale Charakter der Musik steht jedoch in einem verstörenden Kontrast zum resignativen Ton der dem Stück als Grundlage dienenden Aussage Richard X. Clarks, eines weiteren Anführers der Revolte, auf die Frage eines Journalisten, wie er sich denn nach seiner Entlassung fühle, da er Attica nun hinter sich ließe: "Attica is in front of me".
Sayaka Honsho, Misti Wilson



