Juli 2005

Künstlergespräch mit Marcel Odenbach

Mittwoch, 6. Juli 2005, 19 Uhr, Kunstmuseum Bonn


Eine Zusammenarbeit von Kunstmuseum Bonn und Videonale

Das Gespräch mit Marcel Odenbach ist das dritte in der Reihe der Künstlergespräche mit den "Gründern" der Kölner Videokunstszene Klaus vom Bruch, Ulrike Rosenbach und Marcel Odenbach anläßlich der Videonale 10 und der Ausstellung "Sich selbst bei Laune halten - Kunst der 70er aus der Schenkung Ingrid Oppenheim".

Marcel Odenbach, der 1953 in Köln geboren wurde, studierte Architektur, Kunstgeschichte und Semiotik in Aachen. Seit 1976 arbeitet er mit dem Medium Video.
Zusammen mit Ulrike Rosenbach und Klaus vom Bruch gründete er in den 1970er Jahren die Produzentengruppe ATV (Alternativ TV). Sein Werk steht dabei paradigmatisch für eine kontinuierliche Kritik an gesellschaftlichen und insbesondere deutschen Verhältnissen, für die er meist literarisch oder sprichwörtlich klingende Titel findet.
Wie Marcel Odenbach mit Video umgeht, ist bezeichnend für die Konflikte zwischen einem neuen, sich noch ständig verändernden technischen Bildmedium und den Möglichkeiten künstlerischen Ausdrucks.

 

Die Wahl des Mediums erläutert er folgendermaßen:
"Da Video drei verschiedene Elemente in sich vereinigt, a) das Bild, b) Handlungsabläufe, c) den Ton, um die Macht der Technik und des Fortschritts in der Gesellschaft aufzuzeigen, da das Fernseh-Bild der heutigen Sehgewohnheit eher entspricht als das Tafelbild, da das Fernsehen als Zeitvertreib mit seinem hohen Unterhaltungscharakter gesellschaftliche, also politische Veränderungen "in großem Maße" ausgelöst hat, da die Medienanalyse und -kritik ein zentrales Thema unserer Gesellschaft geworden ist, da ich theoretisch einen größeren Rezipientenkreis als die Museumsbesucher ansprechen kann, da meine visuelle Darstellung nicht mehr als dekorativer und repräsentativer Wandschmuck verwertet werden kann, da die Kunst einen Teil ihres Charakters der Ware verliert, da ich umfassendere Alternativen setzen kann!"

(Quelle: Medienkunstnetz)

Besonders auffallend ist der enge Bezug, den Odenbachs Bilder jeweils zu seiner eigenen Person haben. Oft tritt er selbst als Handelnder auf: eine Nahaufnahme seiner Schritte oder eine Großaufnahme seiner Mundpartie beim Rauchen sind typische Beispiele. Selten sieht man die ganze Person. Der Blick des Aufnehmenden und damit auch des Betrachters wird auf die dargestellte Handlung reduziert.

Odenbachs Bilder begeben sich mit einer individuellen Perspektive in zeitgeschichtliche Ereignisse und werden damit in einem sehr konkreten Sinne politisch.

 

Seit 2001 lehrt Marcel Odenbach - nach einigen anderen Stationen u.a. an der HfG Karlsruhe, der UCLA Los Angeles und der HdK in Berlin - an der Kunsthochschule für Medien in Köln.

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