März 2010
Sound and Vision.
Mittwoch, 03. März, 2010, 19 Uhr im Auditorium des Kunstmuseum Bonn.
Über das Verhältnis von Klang und Bild im künstlerischen Werk von Freya Hattenberger und Peter C. Simon.
Anhand der Präsentation von ausgewählten Arbeiten werden Freya Hattenberger und Peter C. Simon einen Einblick in ihrem Umgang mit Bild und Ton geben. Gemeinsamkeiten und Gegensätze werden im Publikumsgespräch erörtert. Trotz ihrer unterschiedlichen Arbeits- und Herangehensweise verbindet beide Künstler der Einsatz des Mediums Video als künstlerische Aussage.
"Electric Blue...Waiting for the gift of sound and vision" (David Bowie).
http://www.myspace.com/<wbr></wbr>leseclairs
69
Das Video 69 ist ein Rausch. In Anspielung auf die Symbolik der Ziffer 69, die, egal wie herum man sie dreht, dieselbe Zahl ergibt und sich gegenseitig "umkreist", dreht sich die Videoarbeit ebenfalls um sich selbst.
Psychedelisch - halluzinatorische Bildwelten entfalten sich im Aufnahmefenster einer Videoschnittsoftware, während die Kamera eben jenes rückgekoppelte Signal im selben Augenblick aufzeichnet. Die Videoarbeit "69" wird so zum Dokument dieses "Trips" und liefert damit auch gleich den Beweis, dass digitales Bildsignal doch nicht "rauschfrei" ist.
Dabei kann man sich der hypnotischen Sogwirkung von "69" nicht entziehen und gerät unweigerlich in den Strudel der Bilder. In tunnelartigen Treppenläufen führen sie zunächst scheinbar endlos und labyrinthisch wie Piranesische Unterwelten tief in den Rechner.
Unterstützt von den schwebenden Klängen der Musik und den Geräuschen, die alle Originalgeräusche aus F.F. Coppolas "Apocalypse Now" sind, entstehen neue Bilder vor dem inneren Auge. Dieses ist gerötet. Die Kamera zeichnet es auf. 1969. Der Vietnamkrieg ist im vollen Gange, der erste Mensch verlässt diesen Planeten und wandert auf dem Mond umher und ich erblicke das Licht der Welt. Unbekanntes Projekt 1/ Effekte - Werkzeuge - Fenster - Hilfe / VTR OK.
Steelskin
Das Video Steel Skin besteht aus animierten schwarz/weiß Fotografien und Musik. Der Fokus jedoch liegt klar im Blick auf den Körper, von dem eine gewisse Bedrohlichkeit ausgeht. Reglose Gliedmaßen und zusammengesetzte Torsi fließen an der Kamera vorbei und erinnern so an die Stimmmung von Monsterfilmen aus den 20 er Jahren. Die Wahrnehmung wird auf die Probe gestellt.
pretty girl
In der Installation "pretty girl" geht es um Machtverhältnisse und Rollenverständnisse, die sich oft in Geschlechterklischees spiegeln.
Anweisungen, sich in einer bestimmten Art und Weise vor der Kamera zu verhalten und die sich an das "pretty girl" richten, werden durch die Inszenierung in einem Schaufenster bewusst gebrochen. Die Stimme dient hier nicht länger als Indikator für eine bestimmte Person, sondern wird aufgelöst um ein Spiel der Identitäten in Gang zu setzen.
Imitation als Grundmuster von (menschlichem) Verhalten wird einem autonomen Selbstbegriff gegenüber gestellt - im Austausch mit den Passanten auf der Strasse, die als Akteure ebenfalls im Video miteinbezogen sind.
Der stumme Text läuft als Projektion synchron zur Bildebene auf dem Monitor, dessen Ton durch den Ausstellungsraum entfernt zu hören ist. Die Textebene wird in einer Black Box-Situation als Projektion präsentiert, die Performance läuft auf einem Monitor. Bild und Ton sind durch den Ausstellungsraum zur gleichen Zeit getrennt und verbunden, wie ein psychologisches Programm des Unterbewussten.
sirene
Die Kamera zeigt mich in Aktion mit einem Mikrophon, welches auf einem Stativ vor mir steht. Es ist an eine Lautsprecher-Anlage angeschlossen, also "online". Immer wieder wird es von meinen Lippen berührt. Diese Geste provoziert erotische Vorstellungen - doch die sinnlichen Reize des Bildes stehen im krassen Gegensatz zum akustischen Erleben des Videos, denn jedes Mal, wenn ich das Mikrophon in den Mund nehme, erklingt das Feedback der Raumfrequenz in meinem Mund.
Während der Performance moduliere ich mit meinem Mundraum den Klang des hohen, schrillen Klirrens. Anfänglich als Fremdkörper irritierend, stellt sich allmählich ein Zusammenhang zwischen Bild- und Tonebene her. Klang und der Einsatz von Stimme als Indikatoren sind Schlüsselelemente von "sirene". Der Körper als Kommunikator und Medium der künstlerischen Auseinandersetzung bleibt mit technischen Prozessen wie Feedback und Verzerrung verbunden.



