Hito Steyerl.
*1966 in München, GER, lebt und arbeitet in Berlin, GER
Studium an der Academy of Visual Arts, Tokyio, JPN und an der Hochschule für Fernsehen und Film München, GER
Ausstellungen [Auswahl]:
2012 Hito Steyerl, Art Institute Chicago, USA
Revolution Happened Because Everybody Refused to Go Home bureau publik, Kopenhagen, DEN
Hito Steyerl, e-flux, New York, USA
Berlin Documentary Forum 2, Haus der Kulturen, Berlin, GER
2011 The Global Contemporary. Kunstwelten nach 1989 ZKM, Karlsruhe, GER
2010 A Place Out of History, Museo Tamayo, Mexico City, MEX
Vectors of the Possible, BAK Utrecht, NED
In Free Fall
Date: 2010
Length: 32:00 min.
Format: 16:9
Specifications: Colour, Sound, Single Channel
Courtesy the artist
Ein Flugzeugfriedhof in der Wüste Kaliforniens bildet die Kulisse einer ökonomischen Katastrophe; er wird zum sinnbildlichen Ende und Anfangspunkt jeder Materialität. In Anlehnung an Sergej Tretiakovs „Biographie des Objekts“ (1929) konstruiert die Künstlerin und Filmemacherin Hito Steyerl in ihrem dreiteiligen Film die Biographie des Flugzeugs 4X-JYI (Boing 707-700). Anhand von fiktionalem und dokumentarischem Videomaterial skizziert sie seine Herstellung, verschiedenste Stationen und Einsatzbereiche und, über seine Zerstörung hinaus, das wundersame Nachleben seiner Materialität. Dabei entfalten sich ungeahnte Zusammenhänge zwischen Flugzeug- und Finanzcrashs, Produktionsverhältnissen, Verwertungslogiken, Recyclingprozessen und der Zirkulation von Bildern. Die Montage verleiht dem Film einen narrativen, beinahe tanzbaren Rhythmus, getaktet durch ein buntes Arrangement von Bildausschnitten. Die Crash-Metaphorik und der freie Fall verbildlichen ebenso wie die Collage der verschiedenen Materialfragmente die zyklische Dynamik der Zerstörung und Wiederverwertung der Materialität. Wiederholte Aufnahmen einer ästhetisierten Explosion eröffnen den Neuanfang und bilden den visuellen Refrain der Videoarbeit. In einer programmatischen Szene unterläuft der Künstlerin ein Versprecher: Anstatt „die Materie lebt weiter“ liest sie „die Materie liebt weiter“. Diese auf das Unbewusste deutende Fehlleistung betont schließlich das irrationale Verhältnis zwischen Mensch und Objekt.
Lisa Arndt und Dorina Köbele-Milas



