Sinus und Sägezahn – Elektronische Musik in Film und Video

VIDEONALE - Elektronenströme

Ein Vortrag mit Filmbeispielen von Florian Wüst

 

Die Geschichte des Experimentalfilms und der Videokunst ist eng verbunden mit der Entwicklung der elektronischen Musik. Die Möglichkeiten elektronischer Bild- und Tonbearbeitung inspirierte jedoch nicht nur die Zusammenarbeit von Filmemachern und Musikern, sondern wurde ebenso von industriellen Auftraggebern als ein Mittel begriffen, neue Technologien und Produkte als modern, innovativ und zukunftsorientiert zu bewerben. Vor allem in den 1950/60er Jahren zeigte sich der Industrie- und Unternehmensfilm offen für abstrakte Ausdrucksformen und audiovisuelle Experimente. So gründete Siemens 1957 ein hauseigenes Studio für elektronische Musik, in welchem unter der künstlerischen Leitung des Komponisten Josef Anton Riedl und mit Hilfe von Lochstreifen-gesteuerten Frequenzmodulatoren, Sinus-, Sägezahn- und Dreiecksgeneratoren Töne und Klangcollagen für Filme und Musikstücke hergestellt wurden. Und ohne die finanzielle Unterstützung und Forschungsarbeit von Universitäten und Unternehmen wie IBM und Bell wären frühe computergenerierte Filme, beispielsweise von Lilian Schwartz oder Stan Vanderbeek, nicht realisierbar gewesen.

 

Anhand ausgesuchter Film- und Videoausschnitte reflektiert Florian Wüst das produkive Verhältnis von technischer Innovation und künstlerischem Experiment, von elektronischer Musik und optischen Medien – angefangen bei Ferdinand Khittl, Jean Mitry und Mauricio Kagel, über Marc Adrian und Steina Vasulka bis hin zur holländischen und österreichischen Elektronika- und Videoszene der letzten Jahre.

 

BIO

Florian Wüst, geb. 1970 in München, arbeitet als Künstler und Filmkurator in Berlin. Studium der Freien Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und Besuch des Master of Arts Programms des Piet Zwart Institute for postgraduate studies and research, Willem de Kooning Academy, Hoogschool Rotterdam. Jüngste kuratorische Projekte u.a.: Berlin am Kabel, Kino Arsenal, Berlin (2010); Come in, friends, the house is yours!, Kinemathek Karlsruhe (2009); Particles in Space: Industrial Films, Early Computer Art, and Abstract Cinema, 1930–1977, VideoZone–4, Tel Aviv (2008). Florian Wüst ist Autor und Mitherausgeber von Wer sagt denn, dass Beton nicht brennt, hast Du's probiert? Film im West-Berlin der 80er Jahre (Berlin 2008).
Weitere Informationen: www.fwuest.com

BUs

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Josef Anton Riedl und Carl Orff mit Toningenieuren und einem Vertreter der Siemens Werbeabteilung (v.r.n.l.) im Studio für elektronische Musik, München © Siemens AG

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Synchronator, Bas van Coolwijk & Gert-Jan Prins, 2006

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