Mai 2007

Anke Schäfer "Videopool Körperein/satz"

Mittwoch, 30. Mai 2007, 19 Uhr, Auditorium im Kunstmuseum Bonn

 

Schon immer hat mich die Kommunikation, die neben dem Verbalen über den Körper stattfindet, besonders interessiert: die dadaistischen Lautgedichte, wo die Körperlichkeit der Stimme und des Mundes in den ganzen Leib zurückdröhnt, die Tänze von Schamanen, die Körperaktionen in den Happenings der 60er/70er Jahre, der japanische Buto-Tanz, der als "Rebellion des Körpers" in die Tanzgeschichte einging, die ganz konkrete, auch politisierte Rebellion von Frauen, die Performance als ein Mittel gegen gesellschaftliche Diskriminierung und Festschreibung für sich entdeckten. (Anke Schäfer, 2007)

Die Kamera, die ursprünglich rein als Mittel zu Aufnahme oder Dokumentation diente, geriet mehr und mehr in den Fokus der wissenschafltichen Diskussion und wurde bald selbst Gegenstand der künstlerischen Arbeiten. Das Medium galt als aufgeladen von einem durch Geschlecht und Machtverhältnisse determinierten Blick. Mittels technischer Verfremdung wie die Fragmentierung des Bildes wurde dieses Selbstverständnis (auf)gebrochen.

In den Videoarbeiten der Künstlerin Anke Schäfer steht die darin stattfindende Performance im Wechselspiel zu der späteren Präsentationform: so spielt die Projektionsleinwand in "Undercover" bereits in der Aufnahme und Durchführung der Performance selbst eine entscheidende Rolle, in der sich Alles ineinander fügt: die vorübergehene live Performance, das (auch zu täuschende) Auge der Kamera,  die (un)sichtbaren Eingriffe in der digitalen Nachbearbeitung, die spätere Form der Präsentation der Videoarbeit.  Das Live meint deutlich nicht "hier und jetzt", und hat mit "Leben" / "Life" noch weniger gemeinsam als nur das "f".

Anke Schäfer gründete 2006 den Videopool "Körperein/satz", der bis Dato 45 Videoarbeiten in Form von Preview-DVDs von den 70er bis Heute fasst. Gemeinsamer Nenner der Arbeiten sind Performances und Körperaktionen, die mit der Videokamera aufgenommen oder eigens dafür inszeniert wurden. Mit jeder Präsentation wächst der Videopool um mindestens fünf weitere Arbeiten, die vom Gastgeber ausgewählt werden.

Während der Lesung sollen einige Arbeiten aus dem Videopool "Körperein/satz" in kompletter Länge gezeigt werden. Desweiteren sollen Fragen zum Projekt sowie Gedanken über den Körper im Verhältnis zur Videokunst, zu dem Auge der Kamera und zur digitalen Technik vertieft werden.

www.koerpereinsatz.net

www.livemovie.org

 

 

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