Juni 2008
"Laß es raus! - Zum 'Complaints Choirs'-Projekt von Tellervo Kalleinen & Oliver Kochta-Kalleinen" - Vortrag von Harald Uhr.
Mittwoch, 25. Juni 2008, 19 Uhr im Auditorium des Kunstmuseum Bonn. Eintritt frei.
Nach Paul Celan sind noch Lieder zu singen jenseits der Menschen. Ob ihm dabei die berühmte Chorpartie aus der Antigone des Sophokles im Ohr klang, die Hölderlin so prägend mit : "Ungeheuer ist viel. Doch nichts Ungeheurer als der Mensch." Übersetzte, würden wir nur allzu gerne wissen. Die Begegnung zwischen Menschen, das jedenfalls wissen wir, endet normalerweise katastrophal und dennoch gibt es eine allen gemeinsame Welt. Als Gemeinwesen verständigten sich die Griechen über eben diese Welt im Medium des Chores. Dem Individuum, dem dies nicht passt, bleibt immerhin noch die Beschwerde. Von dieser Option des Meckerns machen die Menschen über alle Zeiten und Grenzen hinweg bis heute einen unverkennbar regen Gebrauch. Der Frage nachgehend, wie sich in unserer vermeintlich individualisierten
Gesellschaft die Nörgelei des Einzelnen in eine produktive kollektive Erfahrung verwandeln lässt, initiierte das deutsch-finnische Künstlerpaar Tellervo Kalleinen und Oliver Kochta-Kalleinen im Jahre 2005 ihr "Complaints Choirs" - Projekt, bei dem in diversen Städten Beschwerden der Bürger gesammelt und in einem Chor zur Aufführung gebracht werden. Die Auftritte und ihre jeweilige filmische Umsetzung sind ein musikalisches, humorvolles aber auch existentielles und mitreißendes Ereignis, welches mittlerweile zahlreiche Kommunen rund um den Globus zur Nachahmung animiert hat. Der Vortrag stellt einige der Chöre vor und hofft auf eine vielstimmige Diskussion.



