Mai 2009

Deborah Bürgel - Typologie des Hybriden.
The Order: Ein Pars pro Toto für Matthew Barneys Cremaster Cycle.

Mittwoch 20. Mai 2009, 19 Uhr im Auditorium des Kunstmuseum Bonn.

 

Der fünfteilige Filmzyklus The Cremaster Cycle (1994-2002), das Hauptwerk des US-amerikanischen Bildhauers Matthew Barney, erzählt einen Schöpfungsmythos, der den Körper und seine physiologischen Prozesse als Metaphern für skulpturale Transformation verwendet.
Die Figuren vermischen scheinbar Unvereinbares: Männliches und Weibliches, Mensch und Tier, Organisches und Anorganisches. Ob Chimären, Transvestiten oder Maschinen-Menschen, die Charaktere sind hybride Kompilationen, die der Schöpfer-Künstler einer metamorphotischen Formwerdung unterwirft.
Hybridisierung als Prozess der Formwerdung ist auch in formaler Hinsicht eine zentrale Kategorie für den Zyklus, der Videokunst, Kinofilm, Bildhauerei und Performance, Oper, Musical und Videospiel kreuzt. Matthew Barneys Filme bersten vor einer Fülle von berauschenden, phantastischen und verwirrenden Bildern, die überreich mit Verweisen auf Vorbilder aus der Kunst- und Filmgeschichte, der Alchemie und christlichen Ikonographie, der Freimaurerei und antiken Mythen sowie US-amerikanischer Populärkultur gespickt sind und sicherlich zu den opulentesten Beispielen der Videokunst des ausgehenden letzten Jahrhunderts zählen.
Der Vortrag konzentriert sich angesichts dieser Komplexität auf eine zentrale Sequenz des zuletzt gedrehten Cremaster 3, die als Pars pro Toto betrachtet und vorab gezeigt werden soll. Diese Episode, The Order, die als losgelöstes solitäres Spiel im Spiel unabhängig von der Handlung des Hauptfilms zwischengeschaltet ist, fasst alle fünf Filme zitierend zusammen und bündelt wie ein Brennglas den gesamten Zyklus.
So bietet der Vortrag mit der Vorführung der suggestiven Episode The Order die Möglichkeit, in die überwältigende Bildwelt des komplexen Filmzyklus einzutauchen und vermittelt außerdem durch die exemplarische Analyse der kurzen Sequenz anhand der Kategorie Hybridität, einem zentralen Begriff des Diskurses der 1990er Jahre, einen ersten Zugang zu den hermetischen Arbeiten Matthew Barneys.

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