Bettina Disler.

*1974 in Zürich, CH, lebt und arbeitet in London, ENG, and Zürich, SUI

Studium an der Zürcher Hochschule der Künste, Zürich, SUI

 

Ausstellungen [Auswahl]:

2012 Me and maybe you, Kunstverein Haus am Lützowplatz, Berlin
Werkankäufe Kunstmuseum Bern, Progr, Bern, SUI
2010 Nach Bilder, Kino Kunstmuseum Bern, SUI
2008 Wallow, Valiant Bank, Bern, SUI
2007 Endlos, Videotank Zürich, SUI
 

Silver lining

Date: 2011
Length: 10:45 min.
Format: 16:9
Specifications: Colour, Sound, Single Channel
Courtesy the artist

 

 

Wie sieht die perfekte Liebesbeziehung aus? In einem theatralisch inszenierten tableau vivant formulieren sechs Berliner Singles ihre Wünsche und Sehnsüchte zum Thema Liebe. In artifizieller Strenge um einen Tisch angeordnet, den Blick auf den Betrachter fixiert, geben sie in monologischen Sequenzen ihre Erwartungen an den zukünftigen Partner preis. Durch videotechnische Überblendungen wird das Standbild dazu kurzzeitig in Bewegung versetzt: die Mimik des sich Artikulierenden wird animiert, um anschließend in die ursprüngliche Starre zurückzufallen. Obwohl in einem Raum befindlich, stehen die Personen nicht miteinander in Kontakt. Vielmehr scheinen sie seltsam voneinander entrückt, in die eigenen Gedanken vertieft, die sie mit Bedacht abwechselnd in die Kamera sprechen. Hier wird ein emotionales Thema in nahezu prototypischer Manier als gesellschaftliches Phänomen verhandelt. Die Suche nach einem verlässlichen Partner, der Selbstbestimmtheit durch Freiräume und zugleich Nähe durch die richtige Dosis Aufmerksamkeit ermöglicht, wirkt wie eine klischeehafte Idealisierung des Gegenübers, aber auch wie eine Stilisierung egozentrischer Vorstellungen. Der Partner soll perfekte  Projektionsfläche sein, der intuitiv die Bedürfnisse des Anderen wahrnimmt. Vor diesem Hintergrund liest sich der in der Eingangssequenz eingeblendete Titel der Videoarbeit geradezu programmatisch: „silver lining“. Der Silberstreifen am Horizont, der hier als Hoffnungsmoment auf das persönliche Glück in utopischer Ferne beschworen wird.

Meike Deilmann
 

 

Interview:

 

► 1. Ihre Arbeit ist unter mehr als 2000 Bewerbungen für die Videonale 14 ausgewählt worden. Welchem Kontext bevorzugen Sie, um Ihre Arbeit zu präsentieren: der Festival / Kino Kontext oder eine Ausstellung? Und was bedeutet die jeweilige Präsentation für die Darstellung Ihrer Arbeit?

 

In der Regel bevorzuge ich die Präsentation meiner Arbeit in einer Ausstellung. Der Unterschied zwischen einer einmaligen Vorführung im Kino und einem permanenten Screening der Arbeit in einer Ausstellung ist primär der Faktor Zeit. Die Wiederholung bietet den Betrachtern die Möglichkeit, tiefer in ein Werk einzutauchen. In meinen Arbeiten spielt dieser Prozess der Auseinandersetzung eine wichtige Rolle, um die verschiedenen Ebenen, die zeitgleich miteinander laufen, bis ins Detail erfassen zu können. Die dramaturgische Struktur meiner Arbeit setzt den äusseren Rahmen fest, die geloopte Präsentation hingegen eröffnet einen atmosphärisch dichten Raum, der je länger er andauert, einerseits den Blick auf Details lenkt, andererseits mehr Platz für eigene Gedanken zulässt. Das Werk entfaltet sich ganz, wenn meine Sicht als Künstlerin mit dem Bewusstsein jedes einzelnen Betrachters in einen Dialog tritt.

 

 

► 2. Kunst kann als ein Spiegel verstanden werden, welcher das Leben reflektiert oder auch als Werkzeug, mit dem man Momente umsetzen kann. Gibt es ein bestimmtes Thema, Konzept oder ein Problem mit dem sich Ihre Kunst am meisten auseinandersetzt?

 

Konkrete Beziehungen zwischen einzelnen Menschen stehen im Fokus all meiner Arbeiten; es geht um das Verhältnis zwischen zwei oder mehreren Individuen, um das Aufeinanderprallen ihrer Ansichten und die damit gebotene Möglichkeit einer Grenzverschiebung innerhalb des Raumes, der von den Beteiligten beansprucht wird. Ich suche nach kulturell konditionierten Kommunikationsmustern, aber auch nach deren Abweichungen. Wir alle möchten uns mitteilen und vom Gegenüber verstanden werden, im Speziellen wenn Gefühle im Spiel sind. Das Missverstehen und Missverstanden-Werden bildet eigentlich die Basis, von der ausgehend ich meine Arbeit konzipiere.

 

 

► 3. In welcher Weise ist das Medium Video eine hervorragende Möglichkeit, Ihr Anliegen / Ihre Intention auszudrücken, vor allem im Gegensatz zu anderen Medien, die Sie verwenden? Oder arbeiten Sie ausschließlich mit Video?

 

Im Gegensatz zu anderen Medien, kann das Medium Video in einer gegebenen Zeitspanne auf mehreren Ebenen gleichzeitig Inhalte transportieren. Das Spiel mit der Diskrepanz zwischen dem, was ein Bild aussagt und dem, was auf akustischer Ebene vermittelt wird, interessiert mich sehr. Auch glaube ich, dass das Medium Video meine Themen, die ich dem Alltag entnehme, unserer medialen Gesellschaft am wirkungsvollsten transportieren kann.

 

 

► 4. Wenn Sie die Chance hätten, den Besuchern der VIDEONALE.14- Ausstellung eine Frage über Ihre Arbeit stellen zu dürfen, welche Frage wäre das?

 

Am spannendsten wäre für mich die Frage; wann, wo und in welcher Situation sich die Betrachter vielleicht an meine Arbeit erinnert haben. Eine Frage also, die sich nicht unmittelbar nach dem Besuch der Ausstellung beantworten lässt.

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